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Eli – Täter und Opfer? Ein Fallbericht

Hinweis
Der Beitrag enthält explizite Schilderungen von Gewalt gegen ­Menschen. Wenn Sie sensibel darauf reagieren, sollten Sie eventuell eine vertrauen Person zur Lektüre hinzuziehen, um sich über den Inhalt auszutauschen.

Einführung

Extreme Gewalterfahrungen, wie sie (Bürger-)Kriege mit sich bringen, ziehen bei großen Teilen der betroffenen Bevölkerung psychische Störungen und soziale Auffälligkeiten nach sich. Opfer wie Täter können aufgrund des hohen Ausmaßes verschiedener Gewalterfahrungen schwer traumatisiert sein. Studien zeigen, dass Opfer und Täter zu je einem Drittel traumatherapiebedürftig sind. Wir möchten die Mechanismen zwischen Erlebnissen und Traumatisierungen an dem illegalen Exkombattanten Eli[1] einer paramilitärischen Gruppe in Kolumbien exemplarisch darstellen.[2] Bürgerkrieg, interne Vertreibungen, illegale Rekrutierungen, Entführungen, Verschwinden von Personen und Morde prägen die Geschichte Kolumbiens seit mehr als 50 Jahren. Mit 26 Jahren wurde Eli zum Reintegrationsprogramm für illegale bewaffnete Exkombattanten[3] angemeldet. Das Programm bot ihm aufgrund seiner psychologischen Leiden und Traumasymptomatik Zugang zu einer Traumatherapie, in diesem Fall der Narrativen Expositionstherapie (NET)[4].

NET basiert auf modernen gedächtnispsychologischen, neurowissenschaftlichen und physiologischen Ansätzen. Nach einer Eingangssitzung (diagnostisches Interview) beginnt die Therapie mit einer Darstellung der Lebensgeschichte der Klienten mit der sogenannten Lifeline-Methode: Besonders belastende wie schöne Ereignisse werden mithilfe von Steinen bzw. Blumen entlang einer Leine veranschaulicht, die den Lebenslauf symbolisiert. In den folgenden Sitzungen, in der Regel im Wochenrhythmus, werden vor allem die traumatischen Ereignisse detailliert durchgearbeitet (eines pro Sitzung) und im Anschluss das Erzählte schriftlich festgehalten. Zu Beginn der jeweils nächsten Sitzung werden diese „Narrationen“ dem Klienten vorgelesen und, wenn nötig, korrigiert. Am Ende der Therapie werden dem Klienten alle Narrationen übergeben. Im Projekt, an dem Eli teilnahm, fand sechs Monate nach Abschluss der Therapie eine ausführliche Nachuntersuchung statt. Eine weitere Nachuntersuchung wurde nach einem Jahr durchgeführt.

Eingangssitzung (Diagnostik)

Eli erscheint pünktlich zur psychologischen Diagnostik, bekleidet mit einer blauen Jeans und einem dunkelfarbigen T-Shirt. Über den Rücken trägt er einen Beutel mit sich, den er nie ablegt. Er erscheint angespannt, sein rechtes Bein zittert stark und er spielt permanent mit einem Kugelschreiber. Offenkundig beunruhigt es ihn, sich in einem geschlossenen Raum aufzuhalten. Dennoch zeigt er sich aufmerksam und der Therapeutin gegenüber zugewandt.

Eli berichtet, er lebe in einer eheähnlichen Gemeinschaft und habe eine zweijährige Tochter. Mit circa 8 oder 9 Jahren sei er in eine paramilitärische Gruppe eingetreten, da seine Mutter ihn viel geschlagen und misshandelt habe. Er sei circa 12 Jahre bei der bewaffneten Gruppe gewesen, bis er sich 2006 absetzte. Er habe dann erst in einer anderen Stadt gelebt, sei dort aber weggegangen, weil er mit dem Tode bedroht worden sei. An seinem jetzigen Wohnort könne er seine Ausbildung vorantreiben.

Während seiner Dienstzeit in der paramilitärischen Gruppe habe er zahlreiche sehr belastende Erfahrungen gemacht: Brandstiftung, Hinterhalte und bewaffnete Kämpfe; er selbst bezeichnete im diagnostischen Interview aber folgende als die beiden schlimmsten Ereignisse in seinem Leben: zum einen ein Vorfall im Jahre 2001, bei dem er selbst Opfer eines Hinterhalts wurde, glaubte sterben zu müssen, und bei dem er selbst durch Kugeln an der Ferse verletzt wurde. Zum anderen seine Zeit im Gefängnis von 2003 bis 2005. Nach seiner Freilassung trat er den Paramilitärs für weitere 5 Monate bei.

Eli berichtet, die Zeit in Gefangenschaft habe sein Leben und seine mentale Gesundheit wegen der intensiven Gewalt, die er dort erfahren musste, besonders beeinflusst: Er sei Zeuge von Hinrichtungen, Folterungen und diversen Aggressionen zwischen Gruppen von Häftlingen (Guerillas und Paramilitärs) geworden. Ein Zellenkumpan habe ihm nachts, während er schlief, die Worte „Die Guerilla kommt!“ ins Ohr geflüstert. Dies habe ihn in einen derartigen Angstzustand versetzt, dass er geschockt aufgeschreckt und zu den Toiletten gerannt sei. Seitdem erlebe er Flashbacks und Dissoziationen, sobald er in der Nacht einen ähnlichen akustischen Reiz höre, und sei es die Stimme der Nachbarin durchs Fenster. Eli erzählt von wiederkehrenden bedrückenden Träumen, dass er ermordet werde. Er schrecke häufig aus dem Schlaf auf und habe Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Er würde gerne Schlaftabletten nehmen, man habe ihm aber keine verkauft.

Eli fürchtet, seine Ausbildungskollegen könnten ihren Eltern erzählen, dass er zu einer paramilitärischen Gruppe gehörte. Er fühle sich ausgegrenzt und von anderen isoliert, redet offensichtlich nur ungern und zieht es vor, still zu bleiben. Nur selten gehe er aus dem Haus, eigentlich nur, um in den Unterricht zu gehen oder Terminen des Reintegrationsprogramms nachzukommen.

Er fügt hinzu, er sei leicht erregbar und werde rasch aggressiv, doch in den psychosozialen Workshops des Programms habe er gelernt, diese Reaktionen etwas zu kontrollieren. Es fällt auf, dass er sich ständig im Raum umsieht und sich bereits bei leisesten Geräuschen dem Reiz zuwendet (sogenannte Hypervigilanz). Wenn er aus dem Haus auf die Straße gehe, erschrecke ihn ein sich von hinten näherndes Motorrad, da er dann denke, er werde umgebracht.

Diese Schilderungen verursachen bei Eli große Unsicherheit und er realisiert, dass diese Symptome ihn im Alltag im Hinblick auf den Umgang mit Familie und Freunden einschränken. Er zeigt sich daher interessiert an einer Behandlung, die ihm helfen soll, diese Überanspannungen und dissoziativen Tendenzen in den Griff zu bekommen. Auch habe er große Angst, in diesen Flashback-Phasen womöglich seiner Partnerin, Tochter oder Schwiegermutter etwas anzutun.

Narration: „Erster Tod einer Kameradin und erste Verstümmelung“

Um zu zeigen, wie stark belastende Situationen Eli erleben musste, sei im Folgenden die Narration einer Therapiesitzung nahezu ungekürzt wiedergegeben. Im Rahmen der NET-Therapie wird das belastende Ereignis mit dem Klienten minutiös und im Detail durchgegangen. Ziel ist es, die traumatisierenden Elemente so mit dem autobiografischen Gedächtnis zu verbinden, dass die Erinnerungen eingeordnet und künftig kontrolliert werden können.

„Einmal waren wir in einem Trainingscamp, als der Kommandant kam und sagte, es gäbe einen Guerillero unter uns, der sich eingeschleust hätte, und dass er wisse, wer es sei. Er fügte hinzu, dass, wenn sich diese Person melde, er sie am Leben lassen würde. Ich war sehr schockiert über diese Nachricht [...] und ich hatte auch große Angst, dass er denken könnte, ich sei der Eingeschleuste. Der Kommandant verließ für einen Moment den Platz. Ich beeilte mich, einen Zettel für ihn zu schreiben. Darin sagte ich, wie ich hieß und dass ich der Bruder eines Notars sei, den er kenne. Ich wollte meine Haut retten und dem Kommandanten demonstrieren, dass ich kein Guerillero war.

Der Kommandant betrat wieder den Raum und fragte, ob der Eingeschleuste bereit sei, seine Identität zu enthüllen. Ich beeilte mich, ihm meinen Zettel zu geben, den ich geschrieben hatte. Ich hatte große Angst und war gespannt, was passieren würde. Als der Kommandant den Zettel las, sagte er dazu nichts und meinte nur, ich solle mich setzen. Plötzlich erhob sich eine Kollegin – sie war ein schönes, dunkelhäutiges Mädchen – und ging mit dem Kommandanten reden. Wir konnten nicht hören, was sie zu besprechen hatten. Es schien so, als ob sie die Eingeschleuste war.

Zu uns sagte der Kommandant nichts, sondern er ging und wir wussten nicht, was geschehen würde. Ich war sehr verwirrt. Dann kam der Kommandant zurück und sagte mir und vier anderen Kameraden, wir sollten ihn begleiten. Das Mädchen kam mit uns. Ich nahm an, dass man uns zu einer anderen Basis brachte. Wir entfernten uns ein bisschen vom Lager und ich war sehr erstaunt, wie uns der Kommandant manipulieren, beeinflussen und verwirren konnte. Als wir zu einem Zaun kamen, bückte sich das Mädchen, um darunter durchzukriechen, da schoss der Kommandant ihr eine Kugel in den Kopf. Sie war sofort tot, hatte nichts mitbekommen. Ich war sehr erschrocken, mein Körper zitterte. All das, was da gerade passierte, wühlte mich sehr auf. In dem Moment holte der Kommandant eine Machete hervor und befahl mir, sie zu zerhacken. Ich wollte es nicht tun, aber ich hatte große Angst, dass er mit mir dasselbe machen würde. Ich musste ihr die Kleidung ausziehen, es war schrecklich, dies zu tun. Mit ihrer Unterwäsche an, zog ich sie in einen Raum.

Ich nahm die Machete und fing an, ihr rechtes Bein abzuschneiden. Da ich keine Erfahrung hatte, ließ ich die Machete langsam gleiten und dachte, dass dies reichen würde, um sie zu zerteilen. Doch es war nicht so, ich musste mit der Machete zuschlagen, um den Stummel abzuschneiden; es war schrecklich, beim ersten Teil spritzte mich das Blut an. Es ist das Schlimmste, was man nur erleben kann, ich spürte, wie ein Fluch über mich kam, wie der Teufel in mich fuhr, als ich mich mit dem Blut bekleckerte. Wenn man jemanden zerschneidet, gibt der Körper des Toten einen warmen Dunst ab, der in einen eindringt. Dieser Dunst verwandelt einem den Blick. Mein Blick vorher war normal, jetzt ist er anders. Ich kann es erkennen.

Ich zitterte in diesem Moment, aber ich wollte nicht, dass sie das bemerken; ich hatte Angst, sie würden mit mir dasselbe machen. Das Bein wollte nicht abgehen. Ich wollte nur noch, dass Gott mich verschwinden lässt. Es war schrecklich, ich wollte nur, dass es schnell aufhört. Während ich an diesem Bein herumschnitt, fingen meine Kollegen an, die anderen Extremitäten und Brüste abzuschneiden. Die anderen gingen, um ein ungefähr 30 x 45 cm großes Loch zu graben. Es war ca. einen Meter tief. Als ich fertig war und ihr das Bein abgetrennt hatte, sagte der Kommandant, dass ich das Bein beim Knie durchtrennen müsse. Das war aber noch schwieriger, da das Bein schon vom Körper getrennt und jetzt lose war. Normalerweise schneidet man erst unten beim Knie durch, aber ich hatte ja keine Erfahrung und niemand sagte mir etwas. Das machte mich sehr wütend, aber ich konnte ja nichts sagen. Ich wollte einfach nur, dass alles schnell vorbeigeht. Dann befahl mir der Kommandant, ihre Gedärme herauszunehmen. Es war scheußlich, dafür musste ich meine Hände in den Körper einführen. Doch die Gedärme kamen nicht heraus, weil alles mit der Speiseröhre verbunden ist und diese an der Kehle befestigt ist. Man muss erst von oben nach unten schneiden, um alle Gedärme herausnehmen zu können.

Normalerweise, wenn man jemanden zerteilt, nimmt man die Gedärme gar nicht raus, doch der Kommandant machte das mit mir, um sich über mich zu amüsieren. Ich war ja kein Experte. Dann sagte er mir, ich solle den Oberkörper nehmen und ihn zum Loch bringen, das sie gegraben hatten. Ich wollte den Rumpf nicht aufheben und mich noch weiter beschmieren. Also versuchte ich, ihn auf dem Boden zu rollen, aber der Kommandant sagte mir, dass man das nicht so mache, dass ich ihn aufheben müsse. Also hob ich ihn bis zur Brusthöhe auf. Es war grauenhaft, ich wusste nicht, wo ich es halten sollte, also musste ich meine Finger ins Fleisch graben. Es war ein weißes und weiches Fleisch, es war widerlich, der Körperdunst war noch näher bei mir. Ich musste den Oberkörper zur Grube tragen und erst darin platzieren. Dann musste ich die Oberschenkel drauflegen, die Unterschenkel an die Seite der Arme und obendrauf den Kopf, den ich mit dem Gesicht nach unten hinlegte. Dann warf ich Erde darüber und bedeckte die Grube.

Mein Hemd war voller Blut. Der Kommandant sagte, ich solle es ausziehen. So blieb ich nur noch im Unterhemd. Als wir vom Lager weggingen, war es circa halb neun Uhr morgens und als wir zurückkamen, gab es gerade Mittagessen, denn es war schon fast Mittag. Ich wollte nichts essen, ich ging direkt in die Stube und legte mich in mein Bett. Ich starrte an die Decke, ich war sehr traurig und verzweifelt. Mir ging alles Mögliche durch den Kopf, ich dachte an meine Mutter, dass ich gerne von hier weggehen würde, aber ich wusste gar nicht, wo ich war. Ich hatte große Angst, dass sie mir etwas antun würden, wenn ich versuchen würde zu fliehen.

Den ganzen Nachmittag blieb ich im Bett liegen und starrte an die Decke. Ich weinte und empfand große Hoffnungslosigkeit. Als es Nacht wurde, war ich immer noch nicht aufgestanden, um etwas zu essen. Ich blieb weiter liegen. Bei Einbruch der Dunkelheit packte mich erneut die Angst. Ich konnte meine Augen nicht schließen, da ich ständig das Mädchen sah, das zu meinen Füßen lag. Ich sah sie lebendig, in Unterwäsche, so wie sie war, als ich sie zerteilen musste. Ich spürte große Angst und Enttäuschung. Ich schlief mit vier Kameraden in derselben Stube, doch sobald ich die Augen schloss, war sie hier, inmitten von uns, neben mir. Ich war so verängstigt und traurig und ich fühlte mich verantwortlich für das, was geschehen war. Die Nacht war endlos.

Am nächsten Tag beim Frühstück war ich immer noch sehr bedrückt und spürte, wie mich alle anschauten und sich fragten, was passiert war. Der Kommandant trat vor uns und gab einen Kommentar zur Guerillakämpferin und sagte, dass sie die Eingeschleuste war und dass es gerechtfertigt war, sie zu töten. Aber er sagte nichts darüber, was ich getan hatte. Von dem Moment an fühlte ich mich verfolgt, für mich begann dort das Gefühl, verrückt zu werden [Eli verwendete das spanische Wort „psicosis“], die Unruhe und die Ängstlichkeit. Ich denke immer noch daran, die Familie darüber zu informieren, wo sich der Körper befindet, damit sie ordentlich begraben werden kann."

 

Ähnliche Narrationen liegen zu weiteren traumatisierenden Lebensereignissen vor, in denen Eli weitere Menschen töten und Leichen verstümmeln musste oder er selbst in Lebensgefahr schwebte.

Therapieverlauf von Eli

Eli erschien (über-)pünktlich zu allen vereinbarten Therapiesitzungen. Er arbeitete aktiv und offen und mit großem Interesse an der Lifeline mit. Steine und Blumen wurden sehr genau ausgewählt, bevor sie auf der Leine platziert wurden. Er wirkte sehr konzentriert und nachdenklich und am Ende der Übung entspannter und offener. In der folgenden Sitzung bat er um einen Ausdruck seiner Lifeline.

Den Narrationen aus den vorherigen Sitzungen hörte er immer aufmerksam zu, fügte, wenn notwendig, Details hinzu und korrigierte Ungenauigkeiten. Er freute sich, als er hörte, dass er die ganze Narration am Ende der Therapie bekommen würde, und äußerte den Wunsch, diese seiner Tochter zum Lesen zu geben, sobald sie dies könne. Bereits nach der zweiten Expositionssitzung nahmen die Albträume und Flashbacks ab.

Im Laufe der Therapie öffnete er sich zunehmend gegenüber seiner Umwelt und fand auch Anschluss an seine Ausbildungskollegen. Dabei begann er auch eine Beziehung zu einer Kollegin, der er anvertraute, dass er ein demobilisierter Kombattant sei. Gleichzeitig untersagte er ihr, diese Information an andere weiterzugeben, insbesondere nicht an ihre Eltern.

In der Therapie berichtete er, dass er seine Erlebnisse zum ersten Mal jemandem erzählt habe. Dadurch fühle er sich, als ob er einen Verbündeten hätte, weil die Therapeutin seine Scham, Schuld und Reuegefühle mittragen würde. An den psychosozialen Workshops nahm er aktiv und offen teil; dabei empfahl er aufgrund seiner Erfahrung anderen Demobilisierten, ebenfalls eine NET-Therapie zu beginnen.

Gegen Ende der Therapie berichtete der Patient darüber, unter keinen Kopfschmerzen mehr zu leiden und dass sich seine Finger nicht mehr steif anfühlten. Sein Auftreten schien sicherer und selbstbewusster. Sechs Monate nach Ende der Therapie waren seine traumatischen Symptome in Häufigkeit und Intensität erheblich gesunken. Mit dem Geld aus dem Reintegrationsprogramm, das er für sein Projekt (Bienenzucht) erhielt und in dem auch seine Freundin tätig war, wollte er ein kleines Unternehmen gründen. Auch das Feedback der Sozialarbeiter/-innen war zu diesem Zeitpunkt sehr positiv. Seine Ausbildung hatte er in der Zwischenzeit erfolgreich abgeschlossen und er wagte es, seinen Herkunftsort wieder zu besuchen. Sein Wunsch war es, irgendwann dorthin zurückzukehren.

Schlussfolgerungen und Bewertungen

Die vorliegende Falldarstellung mag zunächst als Beispiel dafür gelten, wie überraschend erfolgreich eine Behandlung mit der Narrativen Expositionstherapie (NET) in manchen Fällen sein kann. Dabei muss auch festgehalten werden, dass für die gesamte Therapie Elis, umgerechnet in deutsche Therapieeinheiten, lediglich circa 15 Stunden zur Verfügung standen.

An dieser Stelle möchten wir am Rande anmerken, dass diese Therapieerfolge natürlich nicht auf illegale Exkombattanten bewaffneter Konflikte begrenzt sind. Wie man dem aktuellen NET-Manual entnehmen kann[5], gibt es weltweit zahlreiche Studien über deren Effektivität bei der Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen. Während sich in der internationalen Praxis (und Forschung) zeigte, dass die Behandlung mit NET in lateinamerikanischen, afrikanischen oder asiatischen Krisen- und Kriegsregionen auch von trainierten Sozialpädagogen oder Lehrpersonen unter Supervision durchgeführt werden kann, stellt die aktuelle Gesetzgebung zu Heilbehandlungen in Deutschland eine hohe Hürde dar, weil Heilbehandlungen zunächst einmal nur durch approbierte Psychologische Psychotherapeuten oder Ärzte zulässig sind[6]. Es wäre zu überlegen, ob und wie nicht auch in Deutschland ein entsprechendes Angebot etwa für die psychosoziale Versorgung Geflüchteter angeboten werden könnte, ohne das Niveau der Qualitätskontrollen therapeutischer Interventionen zu senken. So könnte in dem einen oder anderen Fall vielleicht verhindert werden, dass traumatisierte Personen aus der Realität gleiten und andere gefährden.

Das Beispiel von Eli kann als Darstellung einer möglichen Spirale oder eines Zyklus von Gewalt in Kontexten dienen, wo viele Formen von Gewalt, sozialen Ungleichheiten und Armut herrschen. Es wird vielfach über Erklärungsfaktoren der Gewaltentwicklung anhand soziologischer, biologischer und psychologischer Modelle geforscht und diskutiert. Diese Modelle enthalten relativ einfache Lernmechanismen wie das Imitationslernen (Lernen von Gewalt über Nachahmung beobachteter, attraktiver Modelle) und/oder Annahmen über den Überlebenskampf von Menschen in feindseligen Umgebungen.

Wie in unserem Fallbeispiel ist hierbei eine Trennung zwischen Opferschaft und Täterschaft häufig wenig tragfähig oder sogar sinnlos, denn die Folgen des Erlebens grausamer, traumatischer Situationen und aktives gewalttätiges Handeln können für die mentale Gesundheit beide gleichermaßen gravierend sein. Unikausale Erklärungen und demzufolge eine Trennung bzw. Einteilung in unterschiedliche Gruppen (etwa Täter und Opfer) sind aus (trauma-)psychologischer Sicht schlichtweg nicht sinnvoll oder unmöglich.

Aus psychologischer Sicht sollten daher die Leiden bzw. traumatischen Erfahrungen sowohl von Opfern wie auch von Tätern berücksichtigt werden, wenn das Ziel die (Wieder-) Herstellung von Frieden und Sicherheit in einer Gesellschaft ist. Wie in der vorliegenden Falldarstellung war Eli zunächst Opfer vielfältiger struktureller, familiärer und soziopolitischer Gewalt. Dies führte später zu einem Abgleiten in die kriminellen Strukturen der illegalen paramilitärischen Gruppe, womit er selbst immer stärker als Gewalttäter Grausamkeiten ausübte. Das andauernde, akkumulierte Erleben potenziell traumatischer Erfahrungen in der Rolle als Opfer und/oder Täter bedingte bei ihm eine starke Traumatisierung und beeinträchtigte letztlich sein gesamtes Leben. Die „undifferenzierte“, also gewissermaßen gleichrangige Bearbeitung all dieser Ereignisse, die er als Täter und Opfer erlebt hatte, verhalf Eli in der Therapie zu einer bedeutsamen Verbesserung seiner psychischen Gesundheit und ermöglichte letztlich eine erfolgreiche Reintegration in die Gesellschaft.

Das Beispiel von Eli legt nahe, dass wirksame Therapieverfahren für Menschen mit hoher Exposition an Gewalt vorliegen und eingesetzt werden sollten. Dies gilt unseres Erachtens vor allem für Menschen, die nicht nur Opfer direkter oder indirekter Gewalt waren, sondern die aktiv interpersonelle Gewalttaten ausgeübt haben. Allerdings ist auch festzuhalten, dass solche Verfahren zuerst einmal noch (weiter-)entwickelt werden müssen und dass bisher nur erste Evidenz für ihre Wirksamkeit vorliegt. Aktuell gelten traumafokussierte Therapieverfahren, bei denen die Teilnehmenden bzw. Klienten stark mit ihren traumatischen Erlebnissen in einer geschützten therapeutischen Interaktion konfrontiert werden, aber als die wirksamsten, sozusagen als „Goldstandard“. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Fall von Tätern diese traumatischen Erfahrungen sich teilweise auf eigene Gewalttaten beziehen und sie einer besonderen Bearbeitung mit dem Fokus auf assoziierten negativen Gefühlen wie Angst, Scham und Ekel bedürfen, um das Trauma bzw. das traumatische Ereignis in der Vergangenheit in Raum und Zeit zu verorten. Aus den Berichten von Bueno (2015) kann aber mit aller Vorsicht abgeleitet werden, dass diese Konfrontation in der Therapie von den Tätern als positiv empfunden wird, sodass auch die damit verbundenen inadäquaten und maladaptativen für den Täter positiven Erfahrungen in die Therapie einbezogen werden sollten. Aus einer gelungenen Traumatherapie resultiert also eine Narration über die gesamte Biografie des Klienten, in der alle bedeutsamen traumatischen Ereignisse bzw. Erlebnisse aktiv bearbeitet werden, jedoch auch positiv-stärkende Lebensereignisse, die aber auf Delikten beruhen, im biografisch-chronologischen Zusammenhang Berücksichtigung finden.

In einigen Studien zeigte sich auch, dass traumatisierte Menschen weniger bereit zur Versöhnung waren. So fanden etwa Bayer, Klasen und Adam[7] in einer Stichprobe von 196 ugandischen und kongolesischen Kindersoldaten, dass Kinder mit starker PTBS-Symptomatik (35 Prozent in dieser Studie!) der Versöhnung weniger offen gegenüberstanden und starke Rachegefühle zeigten. Die Behandlung traumatischer Symptome bewirkt auch eine Reduktion von Hassgefühlen, Wut, Rachegefühlen sowie Vorbehalten gegenüber Vergebung und Versöhnung.

Gesellschaftlich wird eine Versöhnung von Opfern und Tätern angestrebt, die das Verhalten und Erleben jedes einzelnen der beiden prägt. Versöhnung ist aber ein sehr komplexer Prozess, der verschiedene Maßnahmen und Voraussetzungen beinhaltet, wie zum Beispiel die, dass die Wahrheit über die Taten der Täter bekannt wird, also von ihnen ausgesprochen wird, und sie nachdrücklich versprechen und garantieren, solche Taten nicht zu wiederzuholen. Allerdings schämen sich Täter, die als einfache illegale Kämpfer tätig waren, auf der anderen Seite in der Regel für ihre Taten bzw. Delikte, was ein offenes Sprechen darüber und somit die Wahrheitsfindung (im Sinne eines Bekanntmachens der Taten) erschwert. (Erhöhte Neigung zu Aggressionen und Grausamkeit und entsprechende Taten fanden sich eher bei Kommandanten.[8]) Weiter sollten Täter im Rahmen ihrer vorhandenen personellen, ökonomischen und sozialen Ressourcen versuchen, eine Form der Wiedergutmachung für die Opfer zu finden. Eli wollte am Ende der Therapie der Polizei erzählen, wo die Leichen der ermordeten Guerilleros begraben sind, damit deren Familienangehörigen sie christlich begraben könnten.

Wir betonen, dass wir hier keinesfalls einer rechtlichen Gleichstellung von Opfer und Täter das Wort reden möchten. Zu gelingender gesellschaftlicher Versöhnung muss allerdings jede Seite eigenverantwortlich beitragen und alle Betroffenen müssen Verantwortung für ihre Rolle übernehmen: Die Opfer sollten bereit sein, die traumatischen Ereignisse und die Folgen der Viktimisierung zu bearbeiten, hier unter anderen auch ein Fixieren auf den Status bzw. die Rolle als Opfer, die einerseits einen „Krankheitsgewinn“ mit sich bringen kann und andererseits das Erleben von Handlungsspielräumen und Selbstwirksamkeit behindert.

Diese Forderung mag zunächst überraschen. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass es in Postkonfliktländer viele Hindernisse dafür gibt, dass den Opfern letztendlich eine spezialisierte Behandlung zur Verfügung steht. Die herrschende Armut, der tägliche Überlebenskampf sowie der existenzielle Druck stehen für die Opfer im Alltag unmittelbar im Vordergrund, so dass sie unbewusst weniger Wert auf therapeutische Angebote legen, da diese nicht unbedingt die täglichen Bedürfnisse erfüllen. Dass diese eher langfristig positive Effekte haben, wird von den Betroffenen vielfach nicht richtig „verstanden“. Psychologie ist nicht so wichtig, wenn die Menschen nichts zu essen oder keine Unterkunft haben.

Staatliche Angebote in Kolumbien, die spezifisch auf die individuellen und psychologischen Folgen des Erlebens oder Ausübens von Gewalt zielen, gibt es nur wenige. Die vorhandenen Maßnahmen zielen mehr auf die kollektive Wiedergutmachung und die Wiederherstellung von Rechten ab. Diese Angebote mögen hilfreich sein, aber genügen nicht für eine vollständige Wiedergutmachung des Geschehenen im Hinblick auf die Integrität der individuellen Person. Manche Angebote scheitern auch daran, dass die Opfer die erforderliche Zeit nicht aufbringen können. Überhaupt bestehen in Kolumbien wie in anderen Ländern nach internen Konflikten zwar gesetzliche Rahmenbedingungen, die den Frieden herbeiführen sollen, allerdings stehen die Maßnahmen manchmal nur auf dem Papier, da fehlende Strukturen, fehlende Ressourcen, fehlende praxiserprobte Therapiemodelle, aber auch fehlende Gerechtigkeit verhindern, dass diese Gesetze in konkrete Handlungspläne umgesetzt werden.

In Gesellschaften mit transitionaler Justiz, die Verbrechen einer gewaltsamen Vergangenheit eines Gemeinwesens nach gesellschaftlichem Umbruch aufarbeitet, muss sehr genau bedacht werden, dass nicht vor allem Täter von rechtlichen Maßnahmen profitieren, indem etwa durch Amnestien ihre Taten nicht mehr bestraft und sie nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können. Bei den Opfern auf der anderen Seite muss darauf geachtet werden, dass Straflosigkeit der Täter bei ihnen das Gefühl der Verlassenheit und Machtlosigkeit nicht noch verstärkt. Generell ist zu bedenken, dass die Wiedergutmachung für die Opfer in der Regel nicht im Verhältnis zu dem stehen kann, was ihnen widerfahren ist.

In Kolumbien etwa können Täter lediglich mit Haftstrafen von bis zu acht Jahren belegt werden, nachdem Delikte, die mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit einhergehen (Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten, Massaker, Drogenhandel im großen Stil usw.), bekannt wurden. Viele wichtige Täter, insbesondere Kommandanten, die für grausame Verbrechen bekannt geworden sind, haben ihre Strafen bereits verbüßt und sind wieder frei, was die Opfer oft als Unrecht erleben und wiederum die Versöhnung erschwert.

Aus psychologischer Sicht muss auch beachtet werden, dass nicht behandelte Täter, die unter starken traumatischen Folgen der Ausübung von Gewalt leiden und demzufolge ein hohes Ausmaß an Aggressionsbereitschaft aufweisen, ein hohes Risiko laufen, sich neu rekrutieren zu lassen, und verstärkt anfällig sind, mit neuen Delikten rückfällig zu werden. Nachdem in Kolumbien formell Friedensabkommen unterschrieben wurden, die die Demobilisierung illegaler paramilitärischer Gruppen (2004–2006) und der FARC-Guerilla (ab 2016) beinhalteten, bildeten einige Demobilisierte neue kriminelle Banden, die sich unter anderem über Drogenhandel finanzieren. Dazu werden neue Personen, vor allem Kinder und Jugendliche aus armen Vierteln großer Städte, aber auch aus ländlichen Regionen rekrutiert, die auch Morde und Attentate ausführen. Der mutmaßliche Attentäter, der am 7.6.2025 den möglichen Präsidentschaftskandidaten ­Miguel Uribe niederschoss, hatte sogar an einem Gewaltpräventionsprogramm der Regierung für Jugendliche teilgenommen („pagar para no matar“ = „zahlen, um nicht zu töten“). Dieses konzentriert sich aber ausschließlich auf die ökonomische Unterstützung der Jugendlichen und beinhaltet keine psychologische Intervention.

Der Weg zur Etablierung von lang anhaltendem und stabilem Frieden in Gesellschaften mit starken Ungleichheiten oder gar in Kriegsregionen ist lang und beschwerlich. Er erfordert viele Veränderungen, von den Mikro- (Wohnblock, Stadtviertel) bis zu den Makroebenen (politische Ebenen) eines Landes. Alle Bereiche und Institutionen einer Gesellschaft müssen in diesen Prozess involviert sein und aktiv daran mitwirken. Dazu gehören insbesondere ein Verständnis und eine Verständigung darüber, wie die bio-psycho-sozialen Folgen von Gewalt gelindert oder sogar geheilt werden können. Dabei muss man damit rechnen, dass sich dieser Prozess über mehrere Generationen erstrecken kann.

 


[1] Name geändert.

[2] Entnommen aus Bueno Castellanos, Claudia Patricia (2015): Traumexposition und psychische Belastung durch organisierte Gewalt in Kolumbien. Diss., Universität Konstanz. https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/31523/Bueno_0-297144.pdf (Stand: 14.5.2025).

[3] Wir verwenden in diesem Text zur besseren Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum, möchten aber explizit darauf hinweisen, dass in Kolumbien sowohl unten den paramilitärischen wie unter den Guerillagruppen ein erheblicher Anteil Mädchen und Frauen aktiv waren bzw. sind (in der Studie von Bueno Castellanos [2015], s. Endnote 2: circa ein Drittel).

[4] Schauer, Maggie, Neuner, Frank und Elbert, Thomas (2024): Narrative Exposure Therapy (NET). 3. Aufl. Göttingen.

[5] Schauer, Maggie et al. (2024), siehe Endnote 4.

[6] Vgl. dazu auch Sanftenberg, Linda, Beutel, Antina, Friemel, Chris Maria, Kosilek, Robert Philipp, Schauer, Maggie, Elbert, Thomas et al. (2023): Barriers and opportunities for implementation of a brief psychological intervention for post-ICU mental distress in the primary care setting – results from a qualitative substudy of the PICTURE trial. In: BMC Primary Care 24:113. doi.org/10.1186/s12875-023-02046-0

[7] Bayer, Christophe Pierre, Klasen, Fionna und Adam, Hubertus (2007): Association of Trauma and PTSD Symptoms With Openness to Reconciliation and Feelings of Revenge Among Former Ugandan and Congolese Child Soldiers. In: JAMA: Journal of the American Medical Association 298(5), S. 555–559. doi.org/10.1001/jama.298.5.555.

[8] vgl. Bueno Castellanos, Claudia Patricia und Perleth, Christoph (2023): Die Traumata der Täter und Täterinnen. Psychische Folgen von Gewalterfahrungen bei Kämpfern und Kämpferinnen in Kriegsgebieten. In: reportpsychologie 3/2023, S. 7−11.

Zusammenfassung

Claudia Patricia Bueno Castellanos

Dr. Claudia Patricia Bueno Castellanos (Klinische Psychologin) hat in lateinamerikanischen Kriegsregionen psychische Belastung von Tätern und Opfern erforscht und dazu an der Universität Konstanz promoviert. Sie engagiert sich in Diagnostik und Behandlung von Traumafolgestörungen bei Opfern und illegalen Ex-Kombattanten in Kolumbien und bietet dazu Ausbildungen und Supervision für lokale Fachkräfte an. Seit Frühjahr 2021 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Rostock tätig.

Christoph Perleth

Prof. Dr. Christoph Perleth hat an der Universität Rostock eine Seniorprofessur für Pädagogische und sonderpädagogische Psychologie inne. In der Bund-Länder-Bildungsinitiative „Leistung macht Schule“ setzt er sich derzeit dafür ein, Schule und Unterricht so zu gestalten, dass auch die Begabungen und Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit Migrations- und Fluchthintergrund im Interesse einer Erhöhung der Bildungsgerechtigkeit gefördert werden.


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