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Über Sinn und die Bedeutung von Empathie im Militär

Von Kevin Cutright

Dieser Beitrag legt dar, dass Empathie eine für den Militärberuf wesentliche Eigenschaft ist, geht aber auch auf Bedenken hinsichtlich möglicher Risiken ein, darunter das einer moralischen Verletzung. Der in jüngster Zeit geäußerten Auffassung, Empathie sei toxisch, wird hier entgegengehalten, dass solche Kritik die Begriffe Empathie und emotionale Ansteckung miteinander verschmelzen lässt. Richtig verstanden bedeutet Empathie, die Gedanken und Gefühle eines anderen Menschen in ihrem gesamten Kontext nachzuvollziehen. Diese Fähigkeit unterstützt sowohl die kognitiven als auch die moralischen Dimensionen des soldatischen Handelns. Empathie verbessert das Denken von Soldatinnen und Soldaten, indem sie stereotype Annahmen vermindert, Bestätigungsfehlern (confirmationbias) entgegenwirkt und ihre Perspektive um die Sichtweise anderer Menschen auf sie selbsterweitert. Auf der moralischen Ebene fördert Empathie Menschlichkeit gegenüber Untergebenen, der örtlichen Bevölkerung und Gegnern. Empathie wirkt der Entmenschlichung entgegen und erdet Soldaten in zwei wesentlichen Realitäten: der Tragik des Kriegs und der Notwendigkeit, einen gerechten und dauerhaften Frieden anzustreben. Empathie im Übermaß beinhaltet zwar das Risiko von Überidentifizierung, Zögern und selektiver Anwendung. Sie jedoch völlig außer Acht zu lassen, macht ihre Urteile ebenso fehleranfällig und moralisch fragwürdig. 

Auf Grundlage von Susan Wolfs Philosophie, die den Sinn des Lebens als „aktives Engagement in wertvollen Projekten“ definiert, analysiert der Autor das Fallbeispiel eines US-Offiziers. Dieses verdeutlicht, dass es die Empfänglichkeit für moralische Verletzungen erhöht, wenn Erfolg ausschließlich anhand der Ergebnisse und nicht auch anhand werthafterZielsetzungen und ethischer Mittel beurteilt wird. Dies gilt umso mehr, wenn die Ergebnisse von Faktoren abhängen, die man nicht in der Hand hat, wie es bei kollektivem Handeln im Krieg der Fall ist. Um Sinn in ihrem Dienst zu finden und ihre Anfälligkeit für moralische Verletzungen zu verringern, brauchen Soldaten eine sorgfältige philosophische Vorbereitung, die Empathie mit weiteren Tugenden verbindet.

Originalartikel