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Würdevoller Abstieg? Deutschland und Europa in der Weltneuordnung

Von Daniel Marwecki

Der viel beschworene Wandel der Weltordnung lässt sich als Prozess abnehmender Dominanz des Westens mit offenem Ausgang beschreiben. In jüngsten Ereignissen und Entwicklungen wie dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, dem Ausscheren vieler aufstrebender nicht westlicher Länder aus der Sanktionspolitik und dem Gazakrieg manifestiert sich sowohl seine schwindende Macht als auch sein Niedergang als moralisches Ideal. US-Präsident Donald Trump agiert dabei in mehrfacher Hinsicht als Zerstörer der alten liberalen Ordnung, zu der es auch nach seiner Amtszeit kein Zurück geben wird. Der parallel verlaufende Aufstieg Chinas zu einem bedeutenden Zentrum ökonomischer und politischer Machtverteilung erscheint als Rückkehr zum historischen Normalzustand. Deutschland und Europa sollten nicht den Fehler begehen, auf diese von Unsicherheit geprägte Phase der Multipolarisierung allein mit einer unkoordinierten Aufrüstungsinitiative sowie kulturellen und geopolitischen Überlegenheitsfantasien zu reagieren. Mittlerweile werden auch innerhalb Europas positivere Visionen entwickelt, die Verteidigungsfähigkeit mit der Einpassung in eine sich noch ausformende Weltordnung verbinden.

Originalartikel