Zum Inhalt springen

Wenn Du Frieden willst, schütze das Klima!

Von Andreas Lienkamp

Nicht nur die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels sind bekannt (und zunehmend spürbar) – Meeresspiegelanstieg, extreme Wetterereignisse mit zerstörerischer Wirkung, verheerende Busch- und Waldbrände, das Auslösen negativer selbstverstärkender Prozesse und der Verlust der Artenvielfalt, ja ganzer Lebensräume und Ökosysteme –, sondern auch die Verursacher. Wohlhabende Industrienationen, davon viele im „Wertebündnis“ NATO zusammengeschlossen, tragen überproportional zu den Treibhausgasemissionen bei, sind aber ungleich weniger von den Folgen betroffen.

Diesem Zustand gilt es eine theologisch begründete Vorstellung von Klimagerechtigkeit entgegenzuhalten. Dazu ist grundlegend mit der Fehlinterpretation aufzuräumen, die Spezies Mensch habe ein irgendwie geartetes Recht zum willkürlichen Umgang mit der Schöpfung. Vielmehr betonen schon die entscheidenden Verse der Genesis seine Verantwortung und Verpflichtung, deren Rechte zu wahren. Aus dem Eigenwert der Mitgeschöpfe und der unantastbaren Menschenwürde lassen sich drei Hauptaspekte von Klimagerechtigkeit – globale, intergenerationelle und ökologische – ausdifferenzieren.

Eine Situation, in der wider besseres Wissen Schädigung und Verlust ganzer Regionen und der sie bevölkernden Lebewesen hingenommen wird, kommt nicht nur aus theologisch-ethischer Perspektive einem fundamentalen Unfrieden gleich. Ob man sich in die Lage der Bewohner kleiner pazifischer Inselstaaten hineinversetzt, die vom Untergang bedroht sind, oder die weitgehend einhelligen wissenschaftlichen und politischen Analysen zurate zieht: Die konfliktverschärfenden Effekte der Verknappung von Wasser und Nahrungsmitteln, des Verlustes von Staatsgebiet und Heimat, der Zunahme von Migration und der Destabilisierung ganzer Regionen liegen auf der Hand.

Anstatt weiter in militärische Absicherung zu investieren, sind die verfügbaren Ressourcen gerade potenter Staaten und Akteure – gemäß dem Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortungen und Fähigkeiten – auf Prävention, das heißt auf Klimaschutz auszurichten. Die Zeit dafür ist knapp, aber noch nicht verstrichen. Es braucht anhaltenden zivilgesellschaftlichen Druck und eine zunehmende Berücksichtigung des Prinzips der Klimagerechtigkeit in der Rechtsprechung. Darüber hinaus kann eine umwelt- und klimagerechte Bepreisung von Waren und Dienstleistungen entscheidende Impulse setzen und zugleich Auftakt der auch von Papst Franziskus in Laudato si’ geforderten Transformation unserer konsumorientierten, am kurzfristigen Profit ausgerichteten Wirtschafts- und Lebensweise sein.

Lesen Sie den Originalartikel!