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Wettstreit in der Risikobereitschaft: Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Risiken nuklearer Eskalation

Von Peter Rudolf

Die bereits mit Beginn des Angriffskriegs geäußerten Nukleardrohungen Russlands dienen offensichtlich dazu, Unterstützer der Ukraine von einer militärischen Intervention abzuschrecken. Damit stand von Anfang an die Möglichkeit einer nuklearen Krise mit einer potenziell unbeherrschbaren Eskalation im Raum. Mit der Eingliederung besetzter ostukrainischer Regionen in das russische Territorium im September 2022 hat Präsident Putin ein weiteres Signal gesetzt und seine Optionen eingeschränkt, weil dadurch die territoriale Integrität Russlands selbst auf dem Spiel steht.

Demonstrative Risikobereitschaft mit dem Ziel, die Gegenseite zu einem Einlenken bzw. Nachgeben zu bewegen, wird im Abschreckungsdenken als „brinkmanship“ bezeichnet. Die Gegenseite, in diesem Falle die US-Administration, ist gezwungen, die tatsächliche Bereitschaft zur nuklearen Eskalation einzuschätzen. Da sie diese offenbar nicht ausschließt, verschärft sich das Dilemma zwischen der Vermeidung einer direkten Konfrontation mit Russland und einer effektiven Unterstützung der Ukraine bei der Verteidigung und Rückeroberung ihres Territoriums durch Waffenlieferungen und weitere militärische/nachrichtendienstliche Hilfe. Hinzu kommt, dass 1. eine (bereits angekündigte) massive Antwort der USA auf einen Einsatz einer russischen Atomwaffe eine Eskalationsspirale in Gang setzen könnte und 2. allein die Vorbereitung eines Nuklearwaffeneinsatzes durch das russische Militär die Gefahr einer nicht intendierten Ausweitung des Kriegs birgt.

Angesichts dieser höchst risikoreichen Alternativen wird die US-Regierung möglicherweise irgendwann vor die Entscheidung gestellt, bei der Unterstützung der Ukraine Grenzen zu definieren.

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