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Die Innere Führung als Antwortversuch auf die Frage der (militärischen) Gewalt: Theologisch-ethische Anmerkungen zur gegenwärtigen Debatte

Von Markus Patenge

Die Innere Führung bindet soldatische Entscheidungen und Handlungen unauflösbar an die Werte des Grundgesetzes, nimmt Soldatinnen und Soldaten als moralische Subjekte in die Pflicht und bettet das rein militärische Denken in eine menschenrechtsbasierte Friedenslogik ein, an der sich ihre innere Organisation und ihr Auftreten nach außen zu orientieren haben.

Der restriktive Gewalteinsatz der deutschen Streitkräfte in Afghanistan lässt sich als Beleg dieser „ethischen Erfolgsgeschichte“ lesen. Die Erfahrungen realer Kampfeinsätze haben aber zugleich den existenziellen Ernst des Soldatenberufs vor Augen geführt und die Kritik an der Inneren Führung bzw. die Debatte um ein adäquates militärisches Ethos (mit den Idealtypen „Athen“ und „Sparta“) neu belebt.

Für Opfer, Beobachter und Ausübende birgt Gewalt stets die Gefahr einer Verstetigung zu endlosen Spiralen, bei der vergangene Gewalt neue Gewalt begründet. Werte wie Frieden und Menschenwürde sind als Antwort auf diese universalmenschliche Erfahrung zu verstehen; das Militär darauf zu verpflichten bedeutet, auch militärische Gewalt – die vom Standpunkt einer theologischen Ethik legitimiert sein kann – fundamental zu problematisieren und einzuhegen. 

Es führt die Innere Führung und ihren ethischen Gehalt daher ad absurdum, ihr pauschal die Tauglichkeit für (Kampf-)Einsätze abzusprechen. Um einer Entfremdung und Entkoppelung vorzubeugen, sollten sich Bundeswehr und Gesellschaft jedoch auf möglichst breiter Basis damit auseinandersetzen, inwiefern sich Aspekte eines „spartanischen“ Ethos in die Konzeption integrieren lassen. 

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