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"Staatsbürger in Uniform" oder "Deutsche Krieger" – die Innere Führung auf dem Prüfstand?

Von Reinhold Janke

Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr hat nicht nur die Bedeutung intrinsischer Motivation und eines übergeordneten Sinns, kurz des „Wofür“, hervorgehoben. Die Erfahrungen der Soldatinnen und Soldaten stellen Politik, Gesellschaft und militärische Führung auch Fragen nach dem soldatischen Selbstverständnis und der Aktualität der Inneren Führung, die sich notwendigerweise als dynamische Konzeption begreift.

In einem breiteren historischen Rahmen setzt sich Sönke Neitzels jüngstes Buch Deutsche Krieger auf verschiedenen Ebenen kritisch mit der Inneren Führung auseinander. Zuzustimmen ist ihm beim Urteil, Politik und Militärführung seien die Vermittlung der Legitimation und Sinnhaftigkeit des Auftrags – ein Kernziel der Inneren Führung – schuldig geblieben. Wo zu Recht der Primat der Politik betont wird, muss diese auch ihrer Verantwortung der Bundeswehr gegenüber gerecht werden.

Neitzels Darstellung beruht auf der Gegenüberstellung zweier Sphären, der militärischen und der zivilen. Der Soldatenberuf führt seiner Darstellung zufolge zur Ausprägung einer Welt mit eigenen Werten und Normen, in der „tribal cultures“ der Truppengattungen für die horizontale und vertikale Kohäsion wirkmächtiger sind als ein Treue zu abstrakten Werten.

Dieser Befund greift etwas zu kurz: Die Reduktion auf gelebte Kameradschaft und Mitmenschlichkeit im Ernst des Einsatzes und der Auftragserfüllung steht nicht per se im Widerspruch zum unverrückbaren Wertefundament der Verfassung – die eine Ebene des „Wofür“ darf die andere nicht aufheben. Für eine ernsthafte Diskussion mit Soldatinnen und Soldaten darf aber keine von beiden ausgeblendet werden.

Abschließend werden für die weitere konzeptionelle und konkrete Befassung mit der Inneren Führung fünf Punkte formuliert, darunter eine Rückbesinnung auf ihre Kerngedanken, die Bereitschaft zur Aufnahme konstruktiver Kritik und eine konsequente Persönlichkeitsbildung. Generell ist mehr Ernsthaftigkeit statt Bequemlichkeit im Umgang mit der so anspruchsvollen wie wertvollen Konzeption gefordert.

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