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Editorial

Die existenziellen Gefahren des globalen Klimawandels für die Menschheit sind während der Corona-Pandemie etwas in den Hintergrund der Aufmerksamkeit geraten. Nun drängt das Thema mit Macht zurück. In den USA hat Präsident Biden noch am Tag seiner Amtseinführung die Rückkehr seines Landes zum Pariser Klimaabkommen angeordnet und inzwischen sehr engagierte Klimaziele gesetzt. In Deutschland, wo der Klimaschutz auch während der Pandemie im Fokus der politischen Debatte geblieben ist, gehört er zu den entscheidenden Themen der bevorstehenden Bundestagswahl. Gespannt sein darf man auf die wegen der Pandemie verschobene UN-Klimakonferenz, die nun im November 2021 in Glasgow stattfindet (COP26). Wird die internationale Staatengemeinschaft weitere Verbesserungen erreichen, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen?

Fakt ist: Das vergangene Jahrzehnt war die wärmste Dekade seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 140 Jahren. 2015 bis 2020 waren die sechs wärmsten Jahre in diesem Zeitraum. Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlagen und die Gesundheit von Millionen Menschen – insbesondere in den vulnerablen Regionen des globalen Südens. Mögliche Folgen sind die Verschärfung ökonomischer Ungleichheit, Ressourcenkonflikte, Migrationsbewegungen aufgrund von Flucht und Vertreibung bis hin zur Destabilisierung und zum Kollaps staatlicher Strukturen.

Auf die Gefahren des Klimawandels hat 2015 auch Papst Franziskus mit Laudato si’ hingewiesen, der ersten Umweltenzyklika überhaupt. Er bezeichnet darin den Klimawandel als „wichtigste aktuelle Herausforderung an die Menschheit“ und ein „globales Problem mit […] ernsten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Dimensionen“.

Wenn auch in der Weltgemeinschaft heute weitgehend Konsens darüber besteht, dass der Klimawandel bedrohliche Auswirkungen auf die Lebensbedingungen vieler Menschen haben kann, so ist sein Einfluss auf die Entstehung bewaffneter Konflikte umstritten. Eine Resolution, die Deutschland während seiner Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 2019/2020 einbrachte, in der der Klimawandel als eine Gefahr für internationalen Frieden und Sicherheit bezeichnet wurde, haben die USA, Russland und China verhindert.

Dass die Auswirkungen des Klimawandels zwangsläufig in bewaffnete Konflikte münden, wäre auch sicherlich eine Vereinfachung. Die zunehmende Fragilität in Weltregionen wie der Subsahara oder am Horn von Afrika zeigen jedoch, dass sie als Bedrohungsmultiplikator ernst zu nehmen sind. Bei der Bedarfsermittlung und Ausrichtung von humanitärer und Katastrophenhilfe, internationaler Entwicklungszusammenarbeit, der Friedens- und Resilienzförderung sowie des Statebuilding ist dies in Betracht zu ziehen.

Damit geraten die Aufgaben und Instrumente klassischer Sicherheitspolitik selbst in den Fokus. Der Druck, Krisenprävention und Konfliktvorsorge stärker in sicherheitspolitische Konzepte zu integrieren, erhöht sich. Zugleich steigen die Nachhaltigkeitsforderungen an das Militär angesichts dessen gewaltigen Verbrauchs an finanziellen und ökologischen Ressourcen. Für unsere Streitkräfte bedeutet dies, ihre Ausrüstung zu modernisieren und gleichzeitig ihre Fähigkeiten an potenzielle neue Einsatzszenarien anzupassen.

Ich freue mich, mit der neuen Ausgabe von „Ethik und Militär“ ein überaus wichtiges Thema zur Diskussion zu stellen. Den Autorinnen und Autoren sei an dieser Stelle für ihre klugen und lesenswerten Beiträge gedankt. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

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