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Der Kampf gegen Covid-19, die strategische Ignoranz und das Monopol auf "Wissenschaft" und "Wahrheit"

Von Anna Rößing

Sowohl die Regierungen Großbritanniens und Deutschlands behaupten, in ihrer Reaktion auf die Corona-Maßnahmen der Wissenschaft zu folgen. Doch welche wissenschaftlichen Erkenntnisse welcher Disziplinen und welcher Personen finden Berücksichtigung, welche nicht? Dies bleibt eine genuin politische Entscheidung. Darüber hinaus bedingt die Vorstellung dessen, was das richtige Wissen ist, auch die Vorstellung, welche Formen des Regierungshandelns angemessen sind und welche nicht. Insofern dient die Rede von der Orientierung an der Wissenschaft der Verschleierung von Verantwortung, der Aushebelung demokratischer Kontrolle und sogar einem missbräuchlichen Einsatz von Wissen in einem mit Kriegsvokabular aufgeladenen Diskurs. Außerdem wird Dissens als konstitutives Merkmal demokratischer Gesellschaften häufig missachtet und das Diskussionsspektrum unzulässigerweise auf nur eine „vernünftige“ Alternative verengt. Das verstetigt zugleich elitäre, rassistische und sexistische Strukturen.

Insbesondere die Rede vom unvermeidbaren Krieg konstruiert einen Zusammenhang, in dem die, die ihn führen, von ihrer Verantwortung entbunden werden. Die Wahrnehmung des Virus als „Feind“ fügt sich zugleich in die zunehmende Tendenz, Gesundheitsfragen als Fragen der nationalen und internationalen Sicherheit zu interpretieren. Die Coronapandemie zeigt, wie die liberale Demokratie Schritt für Schritt durch einen entpolitisierten Ausnahmezustand ersetzt wird. Diesem deterministischen Verständnis muss eine repolitisierende Sicht entgegengehalten werden: Der Ausnahmezustand wird erst durch sich auf ihn berufenden politischen Maßnahmen geschaffen.

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