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Über die Weigerung, vor dem Leiden zu kapitulieren

Von Katharina Klöcker

Die sich weiterhin hochdynamisch entwickelnde Coronapandemie verursacht weltweit tiefes Leid. Zu den wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben neben der medizinischen Krisenbewältigung gehört die Wahrung und Förderung eines breiten, konstruktiven Diskurses über die nötigen Eindämmungsmaßnahmen. Nur so lässt sich verhindern, dass die Akzeptanz schwindet und sich antidemokratisches Denken ausbreitet. 

Gerade aufgrund ihrer antiresignatorischen Grundhaltung hat sich auch die Theologie in diesen Diskurs und die Beantwortung bislang vernachlässigter Gerechtigkeitsfragen einzuschalten. Will sie nicht einen (weiteren) gesellschaftlichen Relevanzverlust erleiden, muss sie sich jedoch erkennbar, ernsthaft und jenseits vorgefertigter Antworten mit den akuten Problemen der Zeit auseinandersetzen.

In der Krise wird immer wieder auf mögliche negative Korrelationen von Angst (vor Ansteckung, Krankheit und Tod) und Solidarität verwiesen. Die große Hilfsbereitschaft der vergangenen Monate zeigte, dass Angst nicht per se egoistisches Verhalten befördert. Allerdings besteht gerade in Pandemiezeiten die Gefahr, dass Solidarität in feindseliges Verhalten umschlägt. 

Auch das Christentum weiß um diese Gefahren der Entsolidarisierung aus Angst. Appelliert wird deshalb an das Gottvertrauen zur Überwindung der Angst. Dabei handelt es sich aber um ein für viele Menschen unerreichbares Ideal. Eine andere Möglichkeit, wie Angst und Solidarität in christlicher Perspektive in ein Verhältnis gesetzt werden können, zeigt der ‚ungläubige‘ Jünger Thomas im Johannesevangelium. Erst in der sinnbildlichen Konfrontation mit den Wunden Jesu erkennt er, dass Gott lebendig ist. Die Weigerung, vor dem Leid der Welt zu kapitulieren, könnte so zu einer Möglichkeit der Gottesbegegnung werden. 

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