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Erweiterte nukleare Abschreckung und Teilhabe: Gemeinsam überwinden, nicht einsam aussteigen

Von Wolfgang Richter

Um eine weitere politische wie militärische Destabilisierung zu verhindern, muss Deutschland seine Führungsrolle in Europa verantwortlich wahrnehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ein unilaterales Ausscheiden der Bundesrepublik aus der nuklearen Teilhabe die europäische Solidarität und Stabilität erschüttern. Gleichzeitig jedoch gilt es, Konzepte einer begrenzten Nuklearkriegsführung mit taktischen Atomwaffen zurückzudrängen und der konventionellen wie nuklearen Rüstungskontrolle neues Leben einzuhauchen.

Das Konzept der nuklearen Abschreckung entstand zu Beginn des Kalten Krieges aus der konventionellen Unterlegenheit der USA und ihrer Verbündeten in Europa gegenüber der Sowjetunion. Während die Alliierten zu Beginn des Ost-West-Konfliktes im Falle eines Kriegsausbruches mit massiven Kernwaffenschlägen gegen die Sowjetunion drohten, wurde die Abschreckungsstrategie wegen der Entwicklung der strategischen nuklearen Zweitschlagfähigkeit der Sowjetunion durch die Stärkung der konventionellen Streitkräfte mehrfach angepasst. Die heute wieder auftretende „Abkoppelungsdebatte“ hat hier ebenfalls ihren Ursprung.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurden diverse Chancen verpasst, einen strategischen Interessenausgleich zwischen den USA und Russland zu schaffen. Spätestens seit der Krim-Annexion 2014 sind die Dilemmata der Eskalationstheorien wieder zurückgekehrt. Zwar sind die Atomwaffenarsenale auf beiden Seiten bei Weitem nicht mehr so groß wie zu den Zeiten des Kalten Krieges, die gegenseitige gesicherte Zerstörungsfähigkeit besteht jedoch nach wie vor. Zudem tritt heute die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen in den Vordergrund.

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