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Chinas Nuklearstrategie in einem neuen geopolitischen Umfeld

Von Sven Bernhard Gareis

Die Nuklearstrategie Chinas ist grundsätzlich seit jeher defensiv ausgerichtet und hat lediglich eine Minimalabschreckung zum Ziel. China konkurriert jedoch zunehmend mit den USA auf sicherheitspolitischem Gebiet. Im Indo-Pazifik-Raum droht die Gefahr eines neuen Kalten Krieges mitsamt nuklearem Rüstungswettlauf zwischen beiden Großmächten. Die zunehmenden Spannungen hat China zum Anlass genommen, sein Nuklearwaffenarsenal zu modernisieren. Auch der defensive Charakter der chinesischen Nuklearstrategie könnte zur Disposition gestellt werden.

Um einer gefährlichen Eskalation vorzubeugen, sind beide Staaten gefordert: Die USA sollten China nicht in die Enge drängen, und China wiederum sollte seine Minimalabschreckung auch mit einseitiger Transparenz seiner nuklearen Fähigkeiten kombinieren, um die ohnehin schon angespannte sicherheitspolitische Lage nicht weiter zu verschärfen.

In dem 2019 veröffentlichten Weißbuch China’s National De­fense in the New Era werden trotz grundlegender Änderungen der geopolitischen Lage Chinas strategische Eckpunkte seiner Nuklearstrategie fortgesetzt. Durch eine strategische Zweitschlagkapazität soll den USA lediglich die eigene Verletzlichkeit durch einen möglichen Vergeltungsschlag vor Augen geführt werden. Grundsätzlich will China Atomwaffen in einem Konflikt keinesfalls zuerst einsetzen. Um diese Minimalabschreckung aufrechterhalten zu können, war lange Zeit ein qualitativ wie quantitativ recht überschaubares Nukleararsenal ausreichend. Strategische Parität oder gar Überlegenheit sind hierzu genauso wenig nötig wie eine Erstschlagkapazität. Vor dem Hintergrund der durch die USA erteilten Sicherheitsgarantien an die Anrainer Chinas, verbunden mit der Installation moderner Raketenabwehrsysteme, ist die Moder­nisierung des chinesischen Nuklearwaffenarsenals zur Aufrechterhaltung seiner Zweitschlagkapazität zu verstehen.

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