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Ein elementarer ­Bildungs-Baustein auf dem dornigen Weg zum Frieden. Was ist eigentlich Lebenskundlicher Unterricht?

Von Franz J. Eisend und Thomas R. Elßner

Franz Eisend und Thomas Elßner geben nicht nur eine umfassende Definition und Aufgabenbestimmung des Lebenskundlichen Unterrichts (LKU) in der Bundeswehr in seiner heutigen Form, sondern begründen ausführlich seine friedenspädagogische Relevanz. Die Herausbildung eines neuen, auf der Würde und Verantwortung des Individuums basierenden soldatischen Selbstverständnisses nach dem Zweiten Weltkrieg, das den Dienst an Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit betont, sei wesentlich dem LKU geschuldet. Als ein der militärischen Kontrolle zum Teil entzogener „demokratischer Freiraum zur intellektuellen und charakterlichen Selbstdisziplinierung“ war er ein Novum und definierte zugleich den moralischen Maßstab für die Menschenführung. Hierin spiegelt sich eine Grundeinsicht der Friedenspädagogik wider: Ein Gemeinwesen gelange nur durch den auf Freiheit, Recht, und Selbstbeschränkung beruhenden inneren Zusammenhalt seiner Teile zu dauerhafter äußerer Stärke.

Wie die Autoren anhand eines historischen Abrisses nachzeichnen, fand die dezidiert friedenspädagogische Ausrichtung Schritt für Schritt in den LKU Eingang. Dieser entwickelte sich von der christlich geprägten sittlichen Unterweisung zur verbindlichen berufsethischen Qualifizierungsmaßnahme ohne konfessionelle Bindung, die wesentlich zur eigenen freien Persönlichkeitsbildung der Soldatinnen und Soldaten sowie zur Querschnittsaufgabe der ­ethischen Bildung beiträgt. 

Als deren Herzstück werfe der LKU grundlegende, die menschliche Existenz und die persönliche Weltanschauung betreffende Fragen auf. Für deren angemessene Behandlung seien gerade Militärseelsorgerinnen und -seelsorger qualifiziert, weil sie sich neben wissenschaftlicher Kompetenz durch klare weltanschauliche Verortung – und damit Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein in der persönlichen Begegnung – auszeichnen. „Neutralität“ könne es in diesem Bereich nicht geben.

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