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Editorial

Nach einer Definition des Sozialethikers Thomas Bohrmann liegt militärischer Berufsethik als einer Bereichsethik das Anliegen zugrunde, gesamtgesellschaftlich gültige und dem militärischen Bereich vorgeordnete ethische Prinzipien – wie Menschenwürde oder Gerechtigkeit – unter den Bedingungen des spezifischen Handlungs- und Erfahrungsraums „Militär“ zu untersuchen. 

Was bedeutet dies für die ethische Bildung in den Streitkräften?

Grundlage des soldatischen Verhaltens bildet das durch persönliche Erfahrung geprägte Gewissen als letzte Instanz der Entscheidungsfindung. Angesichts der moralischen Herausforderungen, die sich dem Soldaten in Konfliktsituationen stellen können, bedarf es einer kontinuierlichen Bildung des Gewissens.

Da der Soldat aber nicht nur vor seinem Gewissen, sondern auch für sein Gewissen verantwortlich ist, kommt hier der Militärseelsorge die Aufgabe zu, bei der Gewissensbildung Orientierungshilfe zu leisten. 

Was heißt dies für die Bildungsformate des zebis?

Es gilt, auf die gegenwärtigen und drängenden Fragen, mit denen Soldaten konfrontiert werden, zeitnah zu reagieren, also aktuelle friedens- und militärethische Debatten aufzugreifen, ja selbst anzustoßen.

Interdisziplinarität – in der Verbindung von ethischer, völkerrechtlicher, politischer und militärischer Perspektive – spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie im Zeitalter von Auslandseinsätzen die selbstverständliche Internationalität.

Beide Aspekte prägen die Bildungsarbeit des zebis, zu denen neben bundesweit stattfin­denden Tagungen und Podien auch ein internationaler Workshop mit Berufsoffizieren in Auschwitz zählt.

Als kirchlicher Bildungsakteur für die Bundeswehr entwickelt das zebis seine Bildungsformate auf den Grundlagen einer theologischen Friedensethik, des „gerechten Friedens“, eines zutiefst gewaltpräventiven Ansatzes, der den Fragen einer gewaltdurchwirkten Gegenwart aber keineswegs ausweicht.

Die grundlegende ethische Bildungsarbeit der Militärseelsorge wird vor allem im sogenannten Lebenskundlichen Unterricht (LKU) geleistet, den das zebis durch regelmäßige Fortbildungen für Militärseelsorger unterstützt.

Von zentraler Bedeutung ist hierbei das schrittweise ausgebaute Online-Didaktik-Portal mit integrierter Mediathek. In die dort verfügbaren Arbeitsmaterialien für den LKU fließen sowohl der aktuelle Stand wissenschaftlicher Diskussionen als auch die Praxiserfahrung der Militärseelsorger ein.

Neben Fortbildungsveranstaltungen und dem Didaktik-Portal ist unser internationales E-Journal Ethik und Militär der dritte Arbeitsbereich des zebis. Ergänzend zum Didaktik-Portal, das Inhalte speziell für die Vermittlung im LKU aufbereitet, macht unser E-Journal den aktuellen Stand friedens- und militärethischer sowie sicherheitspolitischer Debatten einem größeren Kreis von Interessierten zugänglich.

Mit der vorliegenden Ausgabe „Zwischen Persönlichkeitsbildung und Kompetenzerwerb: Ethik für Soldaten“ greifen wir zentrale Fragen auf: Was ist Ethik und wozu brauchen die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ethische Bildung? Wie verhält sich eine militärische Berufsethik zur Friedensethik? Wie kann und soll Ethik „gelehrt“ werden, und welche Rolle kommt dabei dem Lebenskundlichen Unterricht zu? Auf die Darstellung ausländischer Konzepte und Positionen wird aus Gründen des Umfangs größtenteils verzichtet. Es ist geplant, dies in einer weiteren Ausgabe zu behandeln. 

Den Autoren der Beiträge und allen, die an dieser Ausgabe beteiligt waren, möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich wie immer eine aufschlussreiche Lektüre von Ethik und Militär.

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