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Riskante Kriegsspiele – Warum wir im Cyberwar nur verlieren können. Von Anke Domscheit-Berg

Sosehr das Internet in sämtliche Lebensbereiche der Moderne Einzug gehalten hat, so schwer erscheint es vorstellbar, dass es ursprünglich eine militärische Entwicklung war, die im Jahr 1968 einige wenige Computer miteinander vernetzte. Anke Domscheit-Berg ruft dem Leser dies in Erinnerung, um dann festzustellen, dass heute unter dem Begriff der „aktiven Cyberabwehr“ eine Remilitarisierung des Internets erkennbar ist. Der Cyberraum werde zum Kriegsgebiet, und die Waffenarsenale würden um Cyberwaffen ergänzt. Gleichzeitig unterliegen die Menschen weltweit der Überwachung durch Geheimdienste, wie wir seit den Enthüllungen Edward Snowdens wissen.

Als ein normales Mittel moderner Verteidigung verharmlost, werden auch in Deutschland Forderungen einer „aktiven ­Cyberabwehr“ sowie nach staatlichen „Hackbacks“ immer lauter. Dabei, so die Autorin, seien solche Instrumente mit dem ­Grundgesetz nicht vereinbar. Hinzu kommt, dass die Eskalationsgefahr solcher Maßnahmen massiv unterschätzt würde: Unbeteiligte Personen können allzu leicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine Trennung zwischen zivilen und militärischen Zielen ist im Cyberspace äußerst schwierig.

Daher gebe es nur einen Weg, unser aller Sicherheit im digitalen Zeitalter zu verbessern, nämlich für möglichst sichere Soft- und Hardware zu sorgen. Dem jedoch stünden die Begehrlichkeiten der Geheimdienste und des Militärs im Wege, die Überwachungsmöglichkeiten und Cyberangriffskompetenzen hoch priorisieren. Neu identifizierte Schwachstellen in Soft- und Hardware würden deshalb ­systematisch und im Geheimen offengelassen. Auf diese Weise werde der Staat selbst zum Sicherheitsrisiko.

Schließlich plädiert Domscheit-Berg für Transparenz in der Entwicklung von Soft- und Hardware sowie für umfassende ­digitale Bildung – denn der Mensch sei immer noch „eine der größten Schwachstellen“.

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