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Foresight und moderne Zukunfts­forschung: Möglichkeiten und Praxis. Von Edgar Göll

Wiewohl das Bedürfnis nach Reduktion von Unsicherheit eine Konstante der Menschheitsgeschichte darstellt, haben aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung, aber auch die Optionenvielfalt moderner Gesellschaften die Auseinandersetzung mit der Zukunft verändert. In der jüngeren Vergangenheit lässt sich eine verstärkte wissenschaftliche Fundierung sowie eine Ausweitung entsprechender Kapazitäten und Kompetenzen in Wirtschaft und Politik beobachten. Beispielhaft beschreibt Edgar Göll das Konzept der „schwachen Signale“, das ermöglichen soll, relevante Veränderungen und potenzielle Sicherheitsrisiken zu antizipieren. Trotz Methodenvielfalt und immer leistungsfähigerer Computer bleibe die Zukunft zwar eindeutigen Prognosen verschlossen. Angesichts der mangelnden Nachhaltigkeit des westlichen Lebensstils würden seriöse Zukunftsforschung und reflektierte, evidenzbasierte Zukunftsgestaltung heute jedoch mehr denn je gebraucht, um vor kritischen Entwicklungen zu warnen, das Nachdenken über die eigene Rolle zu befördern und mögliche Lösungen aufzuzeigen.

In einer solchen Erhöhung der „Selbstreflexivität“ sieht Göll einen der größten Vorteile – und zugleich eine wesentliche Bedingung. Um Neues und Unerwartetes aufzuspüren, gelte es, Komplexität zu berücksichtigen und die „individuelle sowie organisatorische Aufmerksamkeit gegenüber neuen Informationen und Einschätzungen“ zu erhöhen. Im Bereich der Sicherheitspolitik impliziere diese Offenheit eine Miteinbeziehung von Brüchen, Widersprüchen und der Perspektive des anderen. Gelinge dies, könne Foresight zur Erweiterung von Handlungsoptionen beitragen und die Erhaltung bzw. Schaffung gewaltfreier und friedlicher Verhältnisse unterstützen.

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