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Innere Führung und globale integrale Kompetenz. Von Prof. Dr. Kazuma Matoba und Major Dipl.-Päd. Bernd Küstner

Kurz gefasst von Gertrud Maria Vaske

Die Bundeswehr muss sich auf mehr Multinationalität und die damit einhergehende interkulturelle Kompetenz (IKK) einstellen. Vor allem Führungskräfte werden im Einsatz hiervon künftig stärker betroffen sein- wie etwa in der militärischen Ausbildungsunterstützung, dem „Resolute Support“. Das Mentoren-Team besteht aus 60 Unteroffizieren und Offizieren aus zwölf Nationen, darunter fünf deutsche Soldaten. Täglich muss das Team kulturelle Differenzen überwinden, um Aufträge gemeinsam erfüllen zu können. Diese heterogene Gruppe hat dabei einen Auftrag: Die Beratung der Afghan National Army im Norden Afghanistans. Prof. Dr. Kazuma Matoba und Major Dipl.-Päd. Bernd Küstner zeigen anhand verschiedener Modelle wie dies besser und zielführender gelingen kann. 

In globalen militärischen Einsätzen ist das Bewusstsein über die eigene Herkunft und gesellschaftsspezifische Führungskultur enorm wichtig. Mit „Lernen als Veränderung“ oder dem „Quadrantenmodell“ versucht das Autorenteam zu zeigen, wie durch verschiedene Perspektiven ganzheitlich Mensch, Gesellschaft und Welt betrachtet werden können. 

Trotz aller gesellschaftlichen und militärischen Diskussionen ist die Innere Führung auch heute noch die Basis des Handelns. Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie sind zeitlos. Dabei muss jedoch die Herausforderung zwischen dem Erhalt der zentralen Werte der Inneren Führung und der Anpassung an die aktuellen Erfordernisse der Gesellschaft näher betrachtet werden. 

Das Autorenteam weist auf das unterschiedliche Verstehen und Deuten der Inneren Führung hin und warnt vor Fehldeutungen im Führungsverhalten und der Hemmung gewinnbringender Effekte. Gerade Diversität der Streitkräfte, der Reichtum verschiedener Facetten bringen der Bundeswehr künftig in Einsätzen entscheidende Vorteile. Diese Diversität zeichnet sich besonders durch die gelebte Innere Führung und IKK aus, die nicht nur auf das eigene Selbst gerichtet sein, sondern vor allem einen globalen Blick auf die Problemstellungen eröffnen sollte.

In Einsätzen der Bundeswehr wird die Fähigkeit zur Diversitätsführung künftig stärker gefordert werden, etwa wenn Mandate zur Ausbildung fremder Streitkräfte ausbaut werden oder es um Ausbildungsmissionen geht, die auf einem post war conflict gründen. Nur in der Kooperation mit dem Gastland oder Partnernationen ist eine wirksame Friedenskonsolidierung möglich. Dazu ist ein systemisches Denken als Weltbürger nötig, was u. a. am Beispiel deutscher Streitkräfte in Afghanistan deutlich wird. Ihr Mentor muss durch die ES- und ICH-perspektivische Betrachtung seine afghanischen Trainees vorurteilslos wahrnehmen. Durch die WIR-Perspektive muss er beispielsweise befähigt sein, eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Trainee aufzubauen, damit eine neue angemessene Führungskultur entstehen kann.

Küstner und Matoba weisen außerdem darauf hin, dass globale integrale Kompetenz ein weit gefasster Begriff ist. Dieser enthält wichtige Parameter für die moderne Personalentwicklung von Streitkräften wie etwa Selbst-, Sozial- und Systemkompetenzen. Diese dienen nach Autorenmeinung durchaus einer Erweiterung des Konzeptes der Inneren Führung, um so den Herausforderungen der Globalisierung besser standhalten zu können.