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Editorial

„Innere Führung – verehrt, verlacht, in den Himmel gehoben, abgelehnt. Manchmal klingt das, als wenn unterschiedliche Parteien das Gleiche sagen, jedoch jeder vom anderen Ufer eines Flusses her.“ So fasst der ehemalige Kommandeur des Zentrums Innere Führung in Koblenz, General Jürgen Weigt, die aktuelle Diskussion zur Frage der Inneren Führung zusammen.

Innere Führung – sie bestimmt von Anfang an die Bundeswehr und bildet hier die Grundlage für den Dienst als Soldat, als Soldatin. Aus der Geschichte wollten auch die Väter der deutschen Streitkräfte lernen. Innere Führung kennzeichnet das Selbstverständnis des deutschen Soldaten und soll die Leitlinie für die Führung von Menschen in diesem besonderen Beruf sein. Neu angestoßen durch das Buch „Armee im Aufbruch“ ist es in verschiedenen Bereichen der Streitkräfte, der Gesellschaft und der Militärseelsorge zu neuen Diskussionen und Gesprächen gekommen, wie zeitgemäß diese Konzeption noch ist. Kontrovers wird auch im Zusammenhang mit dem neuen Weißbuch über die Frage diskutiert, wie der Soldat der Zukunft sein soll, was ihn prägen und bestimmen sollte, um mit der gänzlich veränderten Sicherheitslage und Auftragsstruktur umzugehen. 

Die Diskussion der Inneren Führung läuft seit Langem. Bereits 2005 erklärten die deutschen Bischöfe in ihrem Text „Soldaten als Diener des Friedens“: „Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass gerade kritisch geschulte Soldaten und Soldatinnen mit einem tiefer gehenden und nachhaltigen Verständnis ihres Auftrags besser geeignet sind, den komplexen Herausforderungen gerecht zu werden und die mit dem täglichen Umgang mit Gewalt und Gewaltmitteln einhergehenden Versuchungen abzuwehren.“ 

Können Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie überhaupt in einem kriegerischen Konflikt Bestand haben? Welchen Soldaten braucht – angesichts der zunehmenden Bedrohungslage – die internationale Politik? Auf vielfältige Weise geht die neue E-Journal-Ausgabe diesen Fragen nach. Im Schwerpunktthemen-Spe­cial wird dann beleuchtet: Wer dient jetzt und künftig Deutschland? Diese Frage bietet viel Gesprächsstoff für weitere Diskussionen, die wir mit dieser neuen Ausgabe anregen möchten. Das E-Journal versteht sich nicht als Ausrufezeichen am Ende einer Kontroverse, sondern als Doppelpunkt und Impulsgeber für weitere Gespräche. 

„Globale Krieger? Soldaten und der Wert der Inneren Führung“ – mit dieser speziellen Thematik der neuen E-Journal-Ausgabe von „Ethik und Militär“ möchten wir die internationale Debatte begleiten und unterstützen. 

Ich danke allen, die an dieser Online-Publikation mitgearbeitet haben – den spannenden Autoren, den umsichtigen Mitherausgebern und besonders dem sehr engagierten Redaktionsteam hier in Hamburg.

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