Zum Inhalt springen

Mediale Schlachtfelder: Hybride Kriege und ihre kommunikative Kriegserklärung. Von Dr. des. Bernd Zywietz

Kurz gefasst von Dr. Harald Keller

Propaganda gehört zum Wesen des Krieges, seit es bewaffnete Auseinandersetzungen gibt. Mit Verbreitung der publizistischen und insbesondere der digitalen Medien hat die Propaganda an Wirkungskraft und damit an Bedeutung gewonnen. Ihre Ziele: Stärkung der eigenen Position durch Beeinflussung des eigenen Volkes und der eigenen Soldaten oder aber Schädigung des Gegners. Hier lässt sich mannigfach ansetzen, bei der Truppenmoral etwa, durch Infragestellung der Rechtmäßigkeit des Kampfeinsatzes, auch durch Einflussnahme auf Dritte.

Der Kulturwissenschaftler Dr. des. Bernd Zywietz führt aus, welche kommunikativen Möglichkeiten sich einem Konfliktteilnehmer gegenwärtig bieten. Der Verfasser erwähnt insbesondere, Moisés Naím folgend, den „YouTube-Effekt“. Echte oder vermeintliche Graswurzelberichterstatter, die mit Handys fotografieren und filmen, verbreiten Bildmaterialien auf dem Feld der sogenannten sozialen Medien und haben bereits Eingang in die reguläre Berichterstattung gefunden. Für seriöse Redakteure ist die gewissenhafte Prüfung dieses Materials zu einer wichtigen Aufgabe geworden.

Die wirksamste Propaganda ist laut Zywietz nicht der direkte konfrontative Angriff. Als nachhaltiger erweisen sich subversive Aktivitäten. Die dafür nötigen Ressourcen gehören zum Wesen demokratisch verfasster Staaten: Verdeckt tätige Propagandisten schreiben Leserbriefe und Beiträge zu Web-Foren oder bauen eigene publizistische Strukturen auf, was ihnen in einer freien Gesellschaft unbenommen ist.

In diesem Punkt geraten – und damit hätte die feindliche Propaganda bereits eine ihrer Absichten erreicht – demokratische Staaten in einen inneren Konflikt. Sie gewähren kraft ihrer Verfassung die freie Meinungsäußerung, sehen sich aber gerade durch ihre Liberalität bedroht. Zywietz rät, dieser Herausforderung durch Gegenpropaganda zu begegnen. In einem ersten Schritt bemüht er sich deshalb um eine etymologische und historische Rehabilitierung des Begriffs. Unter Hinweis darauf, dass der Terminus „Propaganda“ bis Anfang des 20. Jahrhunderts anders als heute nicht negativ besetzt war, spricht sich Zywietz für eine entsprechende Neubestimmung aus. Letztlich sei, so Zywietz, „Propaganda“ ein ebenso vielschichtiger, amorpher und ambivalenter Begriff wie auch der des „Hybriden Krieges“. Mit einer solchen Wendung ins Positive ließe sich die propagandistische Praxis leichter legitimieren.

Lesen Sie den Originalartikel!