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Special: Helfer in Gefahr – neue Herausforderungen in bewaffneten Konflikten

Zerbombte Kliniken, bedrohte Sanitäter und Ärzte – der Krieg macht auch vor den Helfern keinen Halt. Entführungen von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen sind immer häufiger die Realität. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der humanitären Helfer, die in Kriegs- und Krisengebieten angegriffen werden. In den Jahren 2012 bis 2014 zählte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in 11 Ländern 4275 Helfer und Patienten, die Opfer von gewaltsamen Übergriffen wurden. Eine medizinische Einrichtung wurde in diesem Zeitraum in 60 Fällen als militärische Basis missbraucht. Nicht nur die Hilfsorganisationen, auch die UN (Vereinte Nationen) sind beunruhigt und suchen nach Gründen. Häufig sind terroristische Gruppen an Angriffen auf humanitäre Helfer beteiligt.  

Das gesamte medizinische Helferpersonal, auch der Sanitätsdienst der Bundeswehr, ist gefährdet, wenn Gegner die Schutzrechte der Genfer Konventionen und die Regeln des Kriegsvölkerrechts nicht einhalten. Spätestens seit dem Krieg in Afghanistan hat das Symbol des Roten Kreuzes seine reine Schutzwirkung verloren und ist immer häufiger zum Ziel für Angriffe geworden. Es besteht heute grundsätzlich die Sorge, dass in der Militärmedizin ein Denken und Durchsetzen „neuer Werte“ und der Wunsch nach einer „neuen Ethik“ aufkommt, nach der man die eigenen Kameraden bevorzugt behandeln darf. Diese Forderung neuer militärmedizinethischer Werte wird vor allem durch aktuelle asymmetrische Konflikte begünstigt, unter anderem auch durch die allgegenwärtige Grausamkeit und den Terror des Islamischen Staats (IS) in den letzten Jahren.

Innere Konflikte und Gefahren für militärmedizinische Helfer drohen heute in bewaffneten Konflikten von allen Seiten. Das ist nicht neu und doch kann es heute gefährlicher sein, einen Arztkoffer offen auf dem Beifahrersitz zu deponieren, als ein Maschinengewehr bei sich zu haben. Dies gilt für humanitäre Helfer ebenso wie für Militärärzte. Hilfsorganisationen bleiben oft in Kriegsgebieten, obwohl es dort zu gefährlich wird. Sind sie deshalb selbst schuld, wenn ihnen etwas zustößt und wer hilft ihnen? 

Für viele medizinische Helfer ist es wichtig, eine klare Trennlinie zwischen humanitären und militärischen Einsätzen bzw. NGOs und Streitkräften zu ziehen. Im Fall Ebola gab es jedoch in diesem Jahr zum ersten Mal eine internationale Kooperation zwischen dem Roten Kreuz (DRK), dem Internationalen Roten Kreuz (ICRC) sowie Ärzte ohne Grenzen (MSF) und der Bundeswehr. Bereits in den Vorbereitungskursen arbeiteten diese eng und durchaus erfolgreich zusammen. 

Auch Helfer brauchen Helfer – in vielerlei Hinsicht. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr arbeitet derzeit an einem neuen Leitbild. Im Zweifel sollen sich Militärärzte und Sanitäter immer „für die Menschlichkeit“ entscheiden. Der Realität in bewaffneten Konflikten und der Menschlichkeit gerecht zu werden, bedeutet für die Erstellung eines neues Leitbilds Herausforderung und Chance zugleich. Die medizinische Militärethik befindet sich in mehrfacher Weise im Zwiespalt. In jedem Fall ist eine zeitgemäße, länderübergreifende und ausgewogene Ethik-Ausbildung mit gezielter Vermittlung „moralisch-ethischer Kompetenzen“ künftig unabdingbar.

Viel Spaß beim Lesen des E-Journal-Special wünscht

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