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Respekt und Distanz – Ärzte ohne Grenzen und das Militär. Von Dr. Ulrike von Pilar, Birthe Redepenning

Kurz gefasst von Cornelius Sturm

Die Instrumentalisierung humanitärer Hilfe durch die westliche Außen- und Sicherheitspolitik erschwert die Arbeit unabhängiger Hilfsorganisationen. Angesichts „humanitärer Interventionen“ und „integrierter Einsätze“, in denen militärische und zivile Maßnahmen kombiniert werden, sehen sich medizinische Helfer zunehmend mit Misstrauen und Gewalt konfrontiert. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, fordern Dr. Ulrike von Pilar und Birthe Redepenning von Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) klare Grenzziehungen zwischen Politik, Militär und Hilfsorganisationen.

Bereits seit dem Ende des Kalten Krieges operieren bewaffnete Streitkräfte und zivile Helfer oft parallel in den gleichen Konfliktgebieten. Im Zuge des „Krieges gegen den Terror“ nach dem 11. September 2001 ist humanitäre Hilfe zu einem Mittel geworden, mit dem politisch erwünschtes Verhalten belohnt werden kann. Gleichzeitig werden Hilfeleistungen für als terroristisch eingestufte Gruppierungen durch nationale Gesetzgebung als auch durch die internationale Gemeinschaft kriminalisiert. „Die Folgen für die Wahrnehmung von Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfe“, so von Pilar und Redepenning, „sind dramatisch“. Deutlich sichtbar werde diese Dramatik vor allem in Afghanistan, das aktuell „für Helfer der gefährlichste Ort der Welt“ sei.

Für von Pilar und Redepenning gibt es nur einen Ausweg. Staaten und internationale Organisationen müssten stärker als bisher die Grundsätze humanitärer Hilfe wie Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität sowie die Autonomie von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen respektieren. „Die Aufgabe einer Hilfsorganisation besteht nicht darin, eine bestimmte Ideologie oder Weltsicht zu unterstützen, sondern Menschenleben zu retten und Leid zu lindern.“

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